Die Smart Home Pyramide

Was macht ein gutes Smart Home System aus? Diese Frage stellen sich viele, die in Erwägung ziehen, sich ein eigenes Smart Home zuzulegen. Mit dieser Frage hat sich sich bereits auch Stefan Heinle beschäftigt, der mit seinem umfassenden Buch Heimautomatisierung mit KNX, DALI, 1-Wire und Co ein echtes Standardwerk für die Smart Home Errichtung verfasst hat.

 

In diesem Artikel möchte ich aus Heinle ein Kapitel aufgreifen und es mit meiner eigenen Erfahrung in ähnlicher Form wiedergeben. Es ist eine Analogie zur bekannten Ernährungspyramide aus den Ernährungswissenschaften: die Smart Home Pyramide!

 

Bei der Ernährungspyramide geht es von der Basis mit ausreichend Wasser und Flüssigkeit nach oben bis zu den Süßigkeiten, die nur in Maßen genossen werden sollten, um eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu leben. Stimmt eine Ebene nicht, also wird etwas zuwenig zugeführt als es sollte und umgekehrt, ist von anderem zu viel, dann ist über längere Zeit die Gesundheit gefährdet. Falls jemand zu diesen Ernährungstechnischen Dingen mehr Infos braucht, dann gibt es im Internet gewiss genug Möglichkeiten der Informationsbeschaffung, etwa beim zuständigen Bundesministerium oder bei Fachleuten zum Thema Ernährung.

 

Ganz ähnlich ist es auch beim Smart Home. Die richtigen Dinge müssen im richtigen Maß zur Verfügung stehen und vor allem mit ausreichend Zeit bedacht und geplant werden. Es macht beispielsweise keinen Sinn sich um die App-Steuerung des Smart Homes zu kümmern, wenn noch nicht einmal fest steht, welches System von welchem Hersteller eingesetzt werden soll. Die einzelnen Schichten der Pyramide möchte ich nun folgend von unten beginnend erklären.

1: Gebäudeverkabelung

Sie ist mit Abstand das wichtigste. Im Neubau sollte jedenfalls auf Kabel gesetzt werden. Sie haben den Vorteil, dass sie viele Jahre praktisch wartungsfrei alle Komponenten miteinander verbinden und praktisch keinen elektromagnetischen Störungen ausgesetzt sind (im Gegensatz zu Funk-Komponenten). Natürlich macht unter anderen Umständen auch eine Funk-Lösung Sinn, jeder Fall ist anders und ein Smart Home Integrator findet das passende System für dich.

Die Verkabelung bietet also das Fundament des Smart Homes. Wurde diese gut durchdacht, dann bietet sie die Grundlage, egal welches System dann über die Verkabelung kommuniziert.

Es sind hier aber nicht nur die BUS- oder allgemein kleinspannungsführende Kabel gemeint, sondern auch die 230V-Seite. Ausreichend ungenutzte Adern, Kabel mit nicht belegten Adern und Leerrohre sollten die Flexibilität für spätere Anpassungen hoch halten.

Wichtig ist neben den Kabelwegen auch die Art der Kabel. Im Beispiel des BUS-Systems KNX etwa sind nur zertifizierte Kabel (auch bekannt als grüne EIB-Leitung) erlaubt.

2: Automatisierungs-BUS

Welches System soll also als Hauptsystem zur Automatisierung des eigenen Homes verwendet werden. Es gibt heute eine Vielzahl an Systemen, wobei Vor- und Nachteile abgewogen werden müssen. Als Tipp gebe ich hier mit, möglichst auf ein offenes System zu setzen, für das es im Idealfall viele Hersteller gibt und nicht nur einen. Auch sollten die Möglichkeiten zur Anbindung von Dritt-Systemen im Auge behalten werden, denn heute können Trends sehr rasch in unsere Smart Homes Einzug halten (Stichwort Sprachsteuerung), da wäre es doch schade, wenn das dann nicht implementiert werden könnte.

 

Man beachte: Auch ohne die weiter oben liegenden Schichten können die unteren beiden für sich alleine schon ein Smart  Home darstellen! Ist dieses geschickt konfiguriert, dann erfüllt es bereits viele Wünsche und agiert smart. Es sollten sogar so viele Funktionen wie nur möglich in diesen Schichten abgebildet werden, denn diese beiden sind die stabilsten der ganzen Pyramide! Nicht dabei sind allerdings alle Funktionen, die über ein IT-Netz laufen wie etwa die App-Steuerung am Handy.

3: IT und Netzwerk

Diese Schicht bietet wieder Infrastruktur für die darüber liegenden Schichten. Soll das Automatisierungs-System an das IT-Netz angeschlossen werden, so ist auch dafür eine eigene Verkabelung nötig. Außerdem sind Dinge wie Datensicherheit zu beachten. Dazu findest du in einem anderen Blog-Beitrag mehr Infos.

Hier gehört nicht nur EDV-Verkabelung mit CAT-Kabeln und die WLAN-Versorgung hinein, sondern auch das Thema Stromversorgung. Ist eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) nötig? Werden auch Netzwerk-Festplatten betrieben? Was ist wo gespeichert? Diese und andere Fragen beschäftigen den Planer in Schicht 3.

4: Automatisierungs-Server

Ein Automatisierungs-Server bietet die Möglichkeit auf das Automatisierungs-System aus Schicht 2, aber auch auf das Datennetz aus Schicht 3 (und damit auch auf das Internet) zuzugreifen. Damit können umfassende Logiken und Verknüpfungen realisiert werden. Soll das Schranklicht abhängig von der Wetterlage leuchten? Dann ist der Automatisierungs-Server gefragt. Er ist auch zuständig für das Aussenden von Meldungen über Internet-Dienste (wie z.B. Telegram) oder das Einholen von News und vieles vieles mehr.

5: Multimedia und Schnittstellen

Immer weiter weg vom Fundament kommen wir in den letzten drei Schichten. Wichtig ist die Funktion der Lampen, Rollläden, der Heizung und der Alarmanlage. Freilich, Multimedia ist eine schöne Sache, doch nicht mehr so essentiell für das Leben in den eigenen vier Wänden als die zuvor genannten Dinge.

Was gehört hier dazu? Beispiele sind: Sprachsteuerung, Sprachausgabe, Video- und Audio-Anlagen (HiFi) und Schnittstellen zu Drittsystemen wie Philipps Hue für die Akzent-Beleuchtung, DALI für gedimmte Lichter im Allgemeinen oder SONOS für die Musikwiedergabe.

6: Visualisierung

Eine Visualisierung ist eine grafische Bedienoberfäche, die zur Smart  Home Steuerung genutzt wird. Abhängig vom eingesetzten Automatisierungs-System gibt es unterschiedliche Wege zum Ziel einer schönen Visualisierung zu kommen. Natürlich spielen auch die eigenen Wünsche eine große Rolle.
Für das BUS-System KNX zum Beispiel gibt es viele unterschiedlich Anbieter und Projekte für Visualisierungen auf Tablets, SmartPhones, Wand-Displays, PC-Bildschirmen.

7: Mobile Visualisierung

Den letzten Schliff erhält das Smart Home mit der mobilen Visualisierung. Das ist jene VISU, die am Handy läuft und die auch außerhalb des eigenen Heims aufgerufen werden kann um es fernzusteuern oder abzufragen. Ähnlich wie bei Schicht 6 gibt es viele Möglichkeiten.

Beim Fernzugriff ist noch einmal auf die Sicherheit der Verbindung zum Smart Home zu achten. Es sollte nur eine SSL-verschlüsselte Verbindung aufgebaut werden und keine Angriffsmöglichkeit durch Port-Weiterleitungen oder andere (veraltete) Techniken geboten werden.

Raucht der Kopf?

Es gibt also eine Menge zu beachten bei der Errichtung von Smart Homes! Wende dich daher an den System Integrator deiner Wahl, um auf der sicheren Seite zu sein und ein gut konzipiertes Smart Home zu erhalten, das viele Jahre lang Freude bereitet.

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