Energiesparen im Smart Home

Möglichkeiten für Sicherheit und Komfort im Smart Home haben wir in den letzten Artikeln ausführlich behandelt. Diesmal ist es das neben diesen beiden dritte oft nachgefragte Thema Energiesparen das uns beschäftigt. Bevor aber über derart technische Maßnahmen nachgedacht wird, sollten andere – oftmals einfachere – Maßnahmen aus den folgenden drei Bereichen schon ergriffen worden sein.

 

Drei Bereiche an Maßnahmen außerhalb des Smart Home Systems

 

Zum einen haben wir die Bausubstanz selbst, welche aber  nicht für alle Bewohner beeinflussbar ist, man denke an Mietverhältnisse. Sie bietet den größten Einflussbereich auf den Energieverbrauch, da ca. 40% des Energiebedarfs eines Haushalts für Heizung und Warmwasser benötigt wird. Die energiesparende Bauweise oder Sanierung mit dicken Wänden, Dämmung, ohne Wärmebrücken, dichten Fenstern etc. ist hier maßgeblich. Als nächstes steht die Verwendung von möglichst energiesparenden Anlagen und Geräten, dazu zählen beispielsweise moderne Heizungs-, Klima- und Lüftungsanlagen, Solaranlagen, Photovoltaik, Kühlschränken, Gefriertruhen und anderen Haushaltsgeräten oder die Verwendung von LED-Leuchtmitteln statt Glühbirnen. Und als Drittes stehen die Gewohnheiten. Hier kann das Smart Home ansetzen, aber dennoch einiges nicht beeinflussen. Duschen statt Baden um weniger Warmwasser zu verbrauchen kann nur der Bewohner selbst. Was bleibt also zu tun, um mit einer Smart Home Anlage auch Energie zu sparen?

 

Das kann die Smart Home Anlage


Das Größte Sparpotential liegt eindeutig in der Heizungssteuerung. Es muss hier aber auf die Wärmeabgabe Rücksicht genommen werden. Wand- und Fußbodenheizungen etwa sind so träge, dass oftmalige Einstellungsänderungen keinen Sinn machen. Anders sieht es bei Radiatoren aus. Über das Smart Home können diese sehr gezielt geregelt werden, sodass es automatisch zu einer Temperaturabsenkung kommt wenn gelüftet wird oder Räume nicht genutzt werden. Mit elektrischen Heizungen wie Infrarot-Paneelen kann das Smart Home ebenfalls sehr gut umgehen und diese steuern.

Auch Zirkulationspumpen lassen sich gut steuern, sodass diese nur dann aktiv sind, wenn auch tatsächlich Warmwasser benötigt wird. Die Aktiverung kann dabei vom persönlichen Umfeld der Bewohner abhängen. Ist etwa die Alarmanlage scharf und somit keiner zu Hause, ist die Pumpe aus. Morgens zur Stoßzeit im Bad läuft sie natürlich. Beliebige andere Abhängigkeiten sind denkbar. Auch hier gilt wie immer: je mehr das Smart Home über die Bewohner weiß (durch die Erfassung mit Senoren), umso besser kann es auf die Bedürfnisse eingehen. Schläft also beispielsweise noch alles, dann ist die Pumpe ebenfalls aus.
Waschmaschine und Trockner sind für ca. 15% des gesamten Energiebedarfs verantwortlich. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage kann hier ebenfalls gespart werden. Die Geräte werden vorbestückt mit Wäsche. Die Bewohner geben einen Zeitraum vor. Wann genau aber die Geräte eingeschaltet werden, entscheidet die Smart Home Anlage. Das gleiche Prinzip kann auf den Geschirrspüler angewendet werden. Das lohnt sich, weil die Einspeisetarife von hausgemachtem Solarstrom in der Regel niedriger als die Bezugstarife der jeweiligen Stromanbieter sind!
Unterhaltungselektronik und Beleuchtung kommen zusammen immerhin auch auf ca. 13% des Gesamtenergiebedarfs. Hier kann das Smart Home schlechte Gewohnheiten seiner Bewohner ausbessern. Lampen schalten sich bei nicht genutzten Räumen selbstständig aus. Viele viele Standby-Geräte im Haushalt werden bei Nicht-Nutzung vom Strom getrennt.

 

Kontrolle: Was verbrauch ich eigentlich?

 

Ein letzter Aspekt zeigt noch die Verbindung zu einer anderen Disziplin im Smart Home: Kontrolle. Über die Erfassung des Stromverbrauchs einzelner Verbraucher, Darstellung von Daten in Diagrammform, automatischen Benachrichtigungen auf’s Handy wenn Grenzwerte überschritten wurden oder Anzeige auf Ampel-Anzeigen (rot, grün, gelb versteht das Kleinkind bis zum Greis). Mit der Hilfe solcher Daten kann am eigenen Verhalten geschraubt werden und sich ein energiesparenderes Wohnen antrainiert werden. Energiesparen mit dem Smart Home funktioniert also, aber nur dann, wenn auch schon andere Methoden zum Sparen angewendet wurden. Keinesfalls darf ein Smart Home System aber als reines Energiesparsystem angesehen werden, denn das ist nur ein Nebeneffekt neben vielen anderen Vorteilen von Smart Home Systemen.

 

Dieser Artikel erschien bereits im "Schaukasten", Ausgbabe 5/2017